Endlich Sommerferien – und damit viel Zeit für Sommercamps und gemeinsame Aktionen mit der Alpenvereinsjugend! Egal, ob beim Hüttenwochenende am Berg, auf der Ferienwiese, beim Klettern, Spielen oder einfach einem gemütlichen Tagesausflug mit der Sektion -neben dem Tourenführer oder der Jugendleiterin begleitet uns alle noch eines: das Handy!

 

Immer griffbereit in der Hosentasche sind Smartphones fester Bestandteil in unserem Alltag.

Wie gehen wir also als Jugendleiter*innen, Tourenführer*innen oder Campleiter*innen mit der Tatsache um, dass Kinder und Jugendliche bei gemeinsamen Aktionen früher oder später am Handy „hängen“? Oder mal die Eltern anrufen möchten? Mit Freund*innen schreiben? Einfach verbieten, einsammeln oder ein strenges „Jetzt tut’s amal des Handy weg!“ ?! Hmmm…

 

Wir haben für euch einige unserer langjährig erfahrenen Jugend- und Campleiter*innen gefragt, wie ihre Erfahrungen mit Handys in Gruppen so sind.

Zu Beginn jedes Sommercamps legen wir in der großen Gruppe gemeinsame Regeln für unsere Zeit fest. Wo immer möglich, beziehen wir die Teilnehmer*innen aktiv mit ein. Früher, als Handys noch nicht so allgegenwärtig waren, wurden sie vom Team eingesammelt oder deren Nutzung war nicht erlaubt. Allerdings hat sich gezeigt, dass diese Maßnahmen oft nicht gut funktionierten und teilweise widerwillig akzeptiert wurden. Aus diesem Grund fragen wir die Teilnehmer*innen mittlerweile, wie sie sich einen vernünftigen Umgang mit ihren Handys vorstellen. In der Regel einigen wir uns darauf, dass die digitalen Begleiter für bestimmte Zwecke verwendet werden dürfen, jedoch in angemessener Weise. Dazu gehören beispielsweise das Fotografieren, gemeinsames Musikhören oder das Kontaktieren der Eltern. Die Jugendlichen achten sogar gegenseitig darauf und erinnern sich gegenseitig daran, wenn jemand zu viel Zeit am Bildschirm verbringt.“ Octavio Eder

Octavio Eder ist Sommercampleiter bei der Alpenvereinsjugend, Jugendleiter in der Sektion Gebirgsverein und Mitarbeiter im Landesjugendteam Wien.

Eine Stunde oder gar einen Tag, geschweige denn mehrere Tage offline? Keine Chance! Der Rahmen für Erlebnisse ohne Handy sollte aus abgestimmten Regeln und nicht aus Verboten bestehen. Erklärt eure Befürchtungen, sodass die Kinder diese nachvollziehen und mit euch gemeinsam Regeln entwickeln können. So werden diese akzeptiert und (eher) eingehalten. Sinnvoll sind auch Zeitfenster, wann die Kinder wieder ans Handy dürfen.

Vergesst nicht, euch selbst auf das Abenteuer offline einzulassen und mit motiviertem Beispiel voranzugehen – die Eltern dürfen auch Teil der Regeln sein. Und meist werden die Handys im Laufe von mehrtägigen Aktionen von ganz allein nebensächlicher.“ 😉 Christine Hörberg

Christine Hörberg ist Ausbildungskoordinatorin für das Landesjugendteam Vorarlberg und Familiengruppenleiterin in Dornbirn.

 

Ich kenne die Diskussionen zu diesem Thema leider zu gut, als Betreuerin als auch als Teilnehmerin von Sommercamps. Meine Erkenntnisse zu diesem Thema sind recht eindeutig:

– Handyverbot (Campleitung sammelt die Handys der Teilnehmer*nnen ab.)

oder:

– Klar definierte Handyzeit, in der die Teilnehmer*nnen ihre Handy ausgehändigt bekommen

oder:

– Einen Ort wählen, an dem kein Handyempfang ist. 🙂

Sommercamps vom Alpenverein dienen dazu, gemeinsam Abenteuer zu erleben, Zeit in der Natur zu verbringen oder auch mal nichts zu tun. In meinen Augen ist es möglich, für diese Woche das Handy bei Seite zu legen, um die Zeit offline genießen zu können.“ Johanna Hreniuk

Johanna Hreniuk leitet inklusive Sommercamps und ist Jugendleiterin in der Sektion Klagenfurt.

 

„Eine Woche Camp ohne Handy? Das ist im 21. Jahrhundert keine gute Idee, denn Verbote sind bekannterweise besonders interessant. Die Kinder dürfen bei uns das Handy zum Camp mitbringen. Es gibt allerdings täglich eine Handy-Zeit: eine Stunde vor dem Abendessen. Die Eltern werden darüber bereits im Vorfeld informiert und wissen so, wann ihre Sprösslinge erreichbar sind.

Wenn sich ein Kind nicht an die Handy-Zeit hält, gibt es tolle Aufgaben (z.B.: Mithilfe beim Frühstücksdienst, Mithilfe in der Küche), welche die Kinder übernehmen müssen.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass besonders Kinder, die von Heimweh geplagt sind, nach dem Abendessen nicht mehr mit Eltern und Geschwistern telefonieren sollen.

Tagsüber bleibt das Handy in der Unterkunft, damit es nicht kaputt werden kann und die Kinder sich mit anderen Dingen beschäftigen. Fotos werden von uns gemacht und den Kindern im Anschluss zur Verfügung gestellt.

Sollte ein Kind sein Handy nicht zum Camp mitnehmen wollen, keines haben oder es nicht mitnehmen dürfen, so darf es selbstverständlich mit den Betreuer-Handys zu Hause anrufen.

Wir leben diese Handy-Regelung nun seit über neun Jahren in fast zwanzig Campwochen und haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht.“ Sonja Rimml

Sonja Rimml ist seit vielen Jahren als Jugendleiterin und Jugendteamleiterin in der Sektion Jenbach aktiv.

 

Mit der Nutzung von Handys findet also jede*r Jugend- oder Campleiter*in seinen bzw. ihren eigenen Umgang, der auf die Bedürfnisse oder die Konstellation der Gruppe angepasst und mit ihr abgestimmt ist. Liest man sich die Erfahrungen und Empfehlungen durch, so wird eines klar: Gemeinsam lassen sich immer gute Lösungen finden. Und: Je länger und abenteuerlicher das Sommercamp oder der Ausflug, desto weniger Interesse besteht, sich hinterm Bildschirm zu verstecken oder zu viel an das Handy zu denken.

 

In diesem Sinne schöne Sommerferien und tolle offline-Erlebnisse!

 

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Simone Hütter ist Mitarbeiterin in der Abteilung Jugend des Österreichischen Alpenvereins und für die Medien der Alpenvereinsjugend verantwortlich.

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